Bibel


Bibel

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Bi|bel ['bi:bl̩], die; -, -n:
a) <ohne Plural> Schrift, auf die sich das Christentum stützt; Heilige Schrift:
die Bibel auslegen; das steht in der Bibel.
Zus.: Lutherbibel.
b) Buch, in dem die gleichnamige Schrift abgedruckt ist:
auf dem Nachttisch lag eine Bibel.
Zus.: Taschenbibel.

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Bi|bel 〈f. 21
1. Buch der Bücher, Heilige Schrift, heiliges Buch der Christen
2. 〈fig.〉 wichtiges, bedeutsames Buch
● die \Bibel auslegen, übersetzen; der „Macbeth“ ist seine \Bibel [<mhd. biblie <kirchenlat. biblia <grch. biblia, Pl. von biblion „Buch“] Siehe auch Info-Eintrag: Bibel - info!

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Bi|bel , die; -, -n [mhd. bibel, biblie < kirchenlat. biblia (Pl.) = die heiligen Bücher (des Alten u. Neuen Testaments), zu griech. bibli̓on, bybli̓on = Papierrolle, Buch(rolle), zu: bi̓blos, býblos = Papyrusstaude, -bast, nach Býblos, der phönizischen Hafenstadt, aus der der zu Papierrollen verarbeitete Bast vornehmlich importiert wurde]:
1. <o. Pl.>
a) Gesamtheit der von den christlichen Kirchen als offenbartes Wort Gottes betrachteten Schriften des Alten u. Neuen Testaments; heiliges Buch der Christen, Heilige Schrift:
das steht schon in der B. (ugs.; ist eine alte Weisheit);
Ü das »Kapital« ist die B. der Marxisten (bedeutsames, [unbedingt] maßgebendes Buch, an dem sich die Marxisten orientieren);
b) (jüd. Rel.) Gesamtheit der aus Thora u. a. bestehenden Schriften des Judentums.
2. Exemplar der Bibel (1):
eine alte B.

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Bibel
 
[von griechisch tà biblía »die Bücher«], zusammenfassende Bezeichnung für die beiden Textsammlungen des »Alten Testaments« (Altes Testament) und des »Neuen Testaments« (Neues Testament), Offenbarungsurkunde (»Heilige Schrift«, nach Römerbrief 1, 2) für alle christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die hebräische Bibel (von den Christen Altes Testament genannt) auch für das Judentum.
 
 
Über den Schriftenbestand des Alten Testaments sind die christlichen Kirchen untereinander und mit dem Judentum nicht völlig einer Meinung, während das Neue Testament in allen christlichen Kirchen den gleichen Schriften- und Textbestand hat. Der unterschiedliche Bestand des Alten Testaments erklärt sich aus seiner Geschichte. Es ist, mit wenigen aramäischen Ausnahmen in den Büchern Daniel und Esra, hebräisch geschrieben, lief zur Zeit der Entstehung der christlichen Kirche aber in griechischer Übersetzung (Septuaginta) um. In dem Maße, wie die Christen die Septuaginta übernahmen, trennten sich die Juden von ihr, bis von ihnen am Ende des 1. Jahrhunderts der Kanon ebenso wie der Text des Alten Testaments abschließend festgestellt und der Gebrauch der Septuaginta schließlich untersagt wurde. Die alte Kirche las die Septuaginta, übersetzte sie im Abendland dann ins Lateinische und hielt so den Unterschied des Schriftenbestandes zum Judentum auf die Dauer fest. Versuche des Hieronymus, zum hebräischen Alten Testament zurückzukehren, blieben ohne Erfolg; erst die Reformation tat dies, am radikalsten die reformierte Kirche. Daher werden die nur in der Septuaginta, nicht in der hebräischen Bibel enthaltenen Schriften des Alten Testaments (Übersicht) in der katholischen Kirche als deuterokanonisch im Unterschied zu den als kanonisch bezeichneten hebräischen Schriften angesehen, ebenso (mit verschiedenen Zusätzen) in den Ostkirchen; ganz bestritten werden sie in den reformierten Kirchen, während die lutherischen Kirchen eine Mittelstellung einnehmen (nicht kanonisch, aber innerhalb bestimmter Grenzen verwendbar, Apokryphen).
 
Die heute übliche Gliederung der Bibel in Kapitel und Verse ist verhältnismäßig jungen Ursprungs. Beim hebräischen Alten Testament ist die Einteilung in Verse zwar schon in talmudischer Zeit bekannt, ihre Zählung innerhalb der Kapitel und diese selbst setzten sich in den hebräischen Drucken jedoch erst im 16. Jahrhundert durch. Bis dahin war die Thora (1.-5. Mose) in einzelne Abschnitte für die fortlaufende Lesung im Gottesdienst eingeteilt. Auch das Neue Testament war (wohl seit dem 4. Jahrhundert) in Sinnabschnitte (Kephalaia) eingeteilt, deren Liste jeder Schrift voranstand und die in den Handschriften am Kopf der Seiten verzeichnet wurden. Einige Handschriften (z. B. der Codex Vaticanus) teilen die Schriften durch am Rand angegebene Zahlen in Abschnitte, Eusebius von Cäsarea gliederte die Evangelien in kurze Sinnabschnitte (Sektionen), die er am Rand des Textes fortlaufend zählte, sodass er in Kanontafeln die einander parallelen Texte mit ihren Sektionszahlen zusammenstellen konnte. Die moderne Kapiteleinteilung der Bibel jedoch kommt aus der Vulgata und geht in ihren Anfängen auf Erzbischof Stephan Langton (✝ 1228) zurück. Die Verseinteilung des Neuen Testaments stammt von Stephanus (Robert Estienne) und findet sich zuerst in seiner Ausgabe von 1551.
 
 
 
Das Judentum unterteilt das Alte Testament in drei Gruppen von Schriften: Thora (»Gesetz«), Nebiim (»Propheten«) und Ketubim (»Schriften«). Diese Dreiteilung ist bereits im Alten Testament (Prolog zu Jesus Sirach, um 130 v. Chr.) vorausgesetzt. Die fünf Bücher Mose, die Thora, im Sprachgebrauch der Theologie das »Fünfrollenbuch«, der Pentateuch, von der Überlieferung auf Mose zurückgeführt, ist im Laufe jahrhundertelanger Entwicklung aus verschiedenen Bestandteilen zusammengewachsen. Die älteren Geschichtsbücher (Josua bis 2. Könige, in der jüdischen Tradition »frühere Propheten« genannt) führen die von der Erschaffung der Welt bis zum Tode des Mose (etwa 1200 v. Chr.) reichende Darstellung bis zur Begnadigung des judäischen Königs Jojachin (561 v. Chr.). Die jetzige Abtrennung der »früheren Propheten« vom Pentateuch ist künstlich; sie sind in enger Verbindung mit dem Deuteronomium entstanden, wenn sie auch später mancherlei Veränderungen erfahren haben. Trotz der durch verschiedenen Bearbeitungen entstandenen Wiederholungen, Unregelmäßigkeiten und Widersprüche bilden die Geschichtswerke (Pentateuch und frühere Propheten) eine Einheit. In den Prophetenbüchern, nach jüdischer Tradition die »späteren Propheten«, haben die Verkündigung und das Wirken der Propheten ihren Niederschlag gefunden. Der Prophet Jesaja ist in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. aufgetreten. Jeremia erfuhr seine Berufung 627 v. Chr., im 13. Jahre des Josia. Ezechiel ist wohl 597 v. Chr. mit der ersten jüdischen Deportation nach Babylon gekommen und hat im Exil etwa zwei Jahrzehnte gewirkt. Das Zwölfprophetenbuch, das im jüdischen Kanon als ein Buch gezählt wird, kam als Sammlung im 3. Jahrhundert v. Chr. zustande, seine Bestandteile reichen bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. (Hosea, Amos) zurück. Unter den »Schriften« kommt den Psalmen eine besondere Stellung zu. Die Bestandteile dieses Buches reichen von der Zeit Davids bis in die Zeit nach dem Exil. Die Gruppe der »Schriften« umfasst verschiedenartige Bestandteile: Weisheitsliteratur (Sprüche Salomos), zum Teil mit skeptischer Grundhaltung (Kohelet oder Prediger), fromme dichterische Erzählung (Hiob, Ruth), Volksdichtung (Klagelieder), Dichtung, die nur auf dem Wege allegorischer Deutung in den Kanon aufgenommen wurde (Hohes Lied), visionäre Prophetie (Daniel), Geschichtserzählungen (Esra, Nehemia), einen historischen Roman zur Verherrlichung der Volksgeschichte (Esther). In die griechische und lateinische Bibel und damit in die christliche Kirche haben die Apokryphen (deuterokanonische Bücher) Aufnahme gefunden; von den Pseudepigraphen kam das äthiopische Henochbuch in den alttestamentlichen Kanon der äthiopischen Kirche.
 
 
Auch neben den heute in allen christlichen Kirchen als kanonisch anerkannten Schriften des Neuen Testaments hat ursprünglich eine Fülle von Schriften aller Gattungen (Evangelien, Apostelgeschichten, Apostelbriefe, Apokalypsen) gestanden, die zum Teil bis ins 4. Jahrhundert und darüber hinaus in weiten Gebieten der Kirche anerkannt waren und erst nach und nach aus inhaltlichen Gründen diese quasikanonische Anerkennung verloren. Die ältesten Bestandteile des Neuen Testaments sind die Paulusbriefe (entstanden in den Jahren 50-64); sie sind noch im 1. Jahrhundert zu einer Sammlung zusammengefasst worden, die mit Sicherheit nicht alle Briefe des Paulus umfasst, aber doch schon für die alte Kirche den einzigen Zugang zum Schrifttum des Paulus bedeutete. Die Evangelien sind älter, insofern die ihnen zugrunde liegenden Quellensammlungen bis in die Zeit vor dem Beginn der Missionstätigkeit des Paulus zurückgehen (schon Paulus führte eine Sammlung von Aussprüchen Jesu mit sich); jünger sind sie insofern, als ihre Zusammenfassung zur heutigen Gestalt in die Zeit nach Paulus gehört (das älteste Evangelium, das Markusevangelium, gehört kurz vor das Jahr 70, das späteste, das Johannesevangelium, in die Mitte der 90er-Jahre). Die zeitlich letzten Schriften des Neuen Testaments stellen (nach nahezu einhelliger Meinung der Forschung) der Judasbrief und der 2. Petrusbrief dar, deren Entstehung ins beginnende 2. Jahrhundert beziehungsweise dessen zweite Hälfte zu verlegen ist. Das Neue Testament ist v. a. im 1. Jahrhundert entstanden; schon am Ende des 2. Jahrhunderts war es in seinem Bestand im Wesentlichen abgeschlossen. Einzelne Teile (2. Petrusbrief, 2./3. Johannesbrief, Jakobusbrief, Judasbrief) hatten länger um ihre gesamtkirchliche Anerkennung zu kämpfen, insbesondere sind Westen und Osten getrennt in der Anerkennung oder Verwerfung der Apokalypse des Johannes (im Westen anerkannt, im Osten verworfen) und des Hebräerbriefes (im Westen verworfen, im Osten anerkannt). Erst in der Mitte des 4. Jahrhunderts begann der Ausgleich. Von da an bis heute hat die christliche Kirche, von Sondergruppen abgesehen, ein einheitliches Neues Testament.
 
 Handschriften
 
 
Bis zu den Funden von Qumran boten sämtliche Handschriften des hebräischen Alten Testaments und damit auch seine Druckausgaben einen einheitlichen Text. Diese Einheitlichkeit ist Ergebnis der am Ausgang des 1. Jahrhunderts vollzogenen Standardisierung. Die ältesten vollständigen Handschriften stammen aus dem 10. Jahrhundert (Kodex von Aleppo, seit 1947 etwa ein Viertel des Textes verloren) und dem Jahre 1008 (Codex Leningradensis, er liegt der Biblia Hebraica von R. Kittel zugrunde), Teile gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück (z. B. 895 Prophetenhandschrift von Kairo), nur ganz wenige Fragmente sind älter. Seit den Funden in der Genisa (Schatzkammer) der Synagoge von Kairo im 19. Jahrhundert und seit den ersten Funden aus den Höhlen bei Qumran hat sich die Zeitgrenze bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. zurückgeschoben; man kann den Text im Stadium vor seiner Erstarrung erfassen. Von sämtlichen Büchern des Alten Testaments mit Ausnahme von Esther liegen jetzt mindestens Fragmente vor, zum Teil der ganze Text (Jesaja-Rolle aus Höhle 1).
 
Die älteste Handschrift der Septuaginta stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. (Fragmente des Deuteronomiums). Neben ihr gibt es nur noch wenige vorchristliche Reste; fast alle Handschriften des griechischen Alten Testaments sind christlicher Herkunft (die wichtigsten: Codex Vaticanus, 4. Jahrhundert, seit spätestens 1475 in der Vatikanischen Bibliothek; Codex Sinaiticus, 4. Jahrhundert, von K. von Tischendorf 1844 und 1859 im Katharinenkloster auf dem Sinai entdeckt, 1933 von der sowjetischen Regierung an das Britische Museum verkauft; Codex Alexandrinus, 5. Jahrhundert, ebenfalls im Britischen Museum; diese Kodizes enthalten auch das Neue Testament). Neben der Septuaginta sind für die Textkritik des Alten Testaments besonders wichtig der hebräische Pentateuch der Samaritaner, die sich nach den Reformen Esras und Nehemias (2. Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr.) von den Juden trennten, und die aramäischen Übersetzungen (Targumim, Targum). Die syrischen, lateinischen u. a. Übersetzungen sind für das Alte Testament von geringerer Bedeutung als für das Neue Testament
 
 
Die Handschriften des (von Anfang an) griechisch geschriebenen Neuen Testaments reichten am Beginn des 20. Jahrhunderts bis in das 4. Jahrhundert n. Chr. zurück (vergleiche Altes Testament, neben diesen sind besonders zu nennen: Codex Bezae Cantabrigiensis, griechisch-lateinisch, 5.-6. Jahrhundert, von Beza 1561 der Universität Cambridge geschenkt, Codex Ephraemi Syri rescriptus, ein Palimpsest, 5. Jahrhundert, Paris).
 
Seitdem haben Papyrusfunde die Zeitgrenze bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. zurückgeschoben. Die älteste Handschrift des Neuen Testaments ist P52 (J. Rylands Library, Manchester) mit einem Teil von Kapitel 18 des Johannesevangeliums, um 125 geschrieben. Insgesamt kennt man heute 86 Papyri, 268 Majuskeln (mit großen Buchstaben geschriebene Pergamenthandschriften, 3.-10. Jahrhundert), über 2 750 Minuskeln (mit kleinen Buchstaben, zunächst auf Pergament, später auch auf Papier geschrieben, im 9. Jahrhundert beginnend, Hauptmasse in das 11.-14. Jahrhundert gehörend) und rd. 2 150 Lektionare (kirchliche Lesebücher, die nur die im Gottesdienst gebrauchten Texte des Neuen Testaments enthalten). Außer diesen griechischen Handschriften sind dabei auch die alten Übersetzungen ins Lateinische, Syrische, Koptische, Georgische, Gotische und in andere Sprachen von Bedeutung.
 
 Übersetzungen
 
Als die Juden in der griechischen Diaspora das Hebräische nicht mehr ausreichend verstanden, wurde das Alte Testament (wohl im 3. Jahrhundert v. Chr.) erstmals ins Griechische übersetzt (Septuaginta), ein Versuch, der oft wiederholt wurde (z. B. Aquila, Theodotion, Symmachus). Das Judentum hat die Übersetzung später bekämpft und allein den hebräischen Text gelten lassen. So erfolgten weitere Übersetzungen, auch des Alten Testaments, unter dem Vorzeichen des Christentums, das mit der Missionierung eines neuen Sprach- und Kulturgebiets jeweils auch eine neue Bibelübersetzung hervorbrachte. Dabei wurde die Bibel immer wieder bei schriftlosen Völkern zum Anstoß für die Schöpfung einer Schriftsprache und zum ersten Denkmal ihrer Nationalliteratur. Oft haben Bibelübersetzungen auch einen maßgebenden Einfluss auf Sprache und Literatur eines Volkes gehabt, so in Deutschland die Übersetzung M. Luthers und in England die Authorized Version (King James Version).
 
Zu den wichtigsten Bibelübersetzungen gehören:
 
 
Die Vielfalt der altlateinischen Übersetzungen wollte Hieronymus (✝ 420) im Auftrag des Papstes Damasus I. durch seine Vulgata beenden; jedoch dauerte es lange, bis diese sich durchsetzte. Die Bibel Alkuins (799-801) bestimmte den Text der Vulgata in der Folgezeit. Das Konzil von Trient erklärte in seinem Dekret vom 8. 4. 1546 die Vulgata für verbindlich, 1590 erschien die Sixtina (von Sixtus V. eingeführt), 1592 eine Revision durch Klemens VIII. (die Sixtina-Clementina, bis heute verbindlich). Nachdem 1945 eine offizielle Neuübersetzung des Psalters aus dem Hebräischen erfolgte, wurde 1965 eine päpstliche Kommission für die neue Vulgata unter Vorsitz von Kardinal Bea berufen.
 
 
Mittelalterliche Übersetzungen (z. B. Heliand, Otfrid ) beruhen auf der Vulgata. Die Übersetzung der Bibel aus dem Urtext begann mit Luther; 1522 erschien sein »Septembertestament« (Das Newe Testament Deutszsch), dem in regelmäßigen Abständen die einzelnen Teile des Alten Testaments folgten, bis 1534 die Bibel vollständig vorlag (Vorlage für das Neue Testament war u. a. die griechische Textausgabe des Erasmus von Rotterdam, zweite Editio von 1519). Bis zu seinem Tod hat Luther unermüdlich an der Übersetzung weitergefeilt, dabei besonders von P. Melanchthon und M. Aurogallus unterstützt (alle Materialien in der Weimarer Lutherausgabe, Reihe Deutsche Bibel). Später lag die Verantwortung für die Textgestaltung bei den privaten Verlegern. Seit 1710 (Cansteinsche Bibelanstalt) und besonders seit 1812 (Württembergische Privilegierte Bibelgesellschaft) begannen die Bibelanstalten Einfluss auf den Text zu nehmen (neben der Lutherbibel erschienen andere Übersetzungen: die Berleburger Bibel 1726-42, die Elberfelder Bibel 1871 u. a.). Erst 1892 wurde der Text (unter kirchlicher Verantwortung) zum ersten Mal, 1912 zum zweiten Mal den sprachlichen Wandlungen der Zeit angepasst. Eine erneute Revision (1956 Neues Testament, 1964 Altes Testament) erfuhr in Bezug auf das Neue Testament als zu konservativ erhebliche Kritik. So fand daneben die Zürcher Bibel immer weitere Verbreitung (1931 erschienen, als vorläufig letzter Nachfahr der 1529 erschienenen, von U. Zwingli und L. Jud bearbeiteten Übersetzung). Auf katholischer Seite begann eine selbstständige Bibelübersetzung im 16. Jahrhundert durch H. Emser, J. Eck und J. Dietenberger. Eine evangelisch-katholische Einheitsübersetzung der Bibel (begonnen 1962) erschien 1980. Sie wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland nur für das Neue Testament und die Psalmen anerkannt.
 
1986 erschien eine neue evangelisch-katholische Ausgabe des Neuen Testaments mit griechischem Text, evangelisch-katholische Einheitsübersetzung und der zuletzt 1984 revidierten Lutherübersetzung. - Von besonderer sprachlicher und religionsgeschichtlicher Bedeutung ist die Übersetzung M. Bubers (begonnen 1925 zusammen mit F. Rosenzweig, abgeschlossen 1961), die aus dem Geist des Judentums die Besonderheiten der hebräischen Syntax und Sprachbilder im Deutschen wiedergibt.
 
 
Schon früh wurden Teile der Bibel ins Angelsächsische übersetzt (Beda); auf J. Wiclif geht die erste vollständige Übersetzung (nach der Vulgata) zurück (1380-82). 1539 erschien die Great Bible, geschaffen im Auftrag von T. Cromwell, 1611 wurde die Authorized Version (King James Version) eingeführt, die von da ab Geltung hatte.
 
1881 erschien eine Revision (Revised Version) des Neuen Testaments, 1885 des Alten Testaments, 1900-01 in den USA mit leichter Variation als American Standard Version. 1946 erschien hier das Neue Testament, 1952 das Alte Testament in neuer Übersetzung (Revised Standard Version), die bald überall im englischen Sprachbereich Verbreitung fand. In England wurde die New English Bible (Neues Testament 1961, Psalter 1963, von einem Komitee unter C. H. Dodd neu übersetzt) wegen ihrer Modernität stark beachtet (vereinzelt auch kritisiert). Neben ihr gibt es eine große Zahl anderer Übersetzungen (z. B. J. Moffatt seit 1901).
 
 
Die erste französische Bibelübersetzung wird in den Anfang des 12. Jahrhunderts datiert; 1477-78 erschien in Lyon die erste gedruckte Bibel. Besondere Bedeutung hat von den modernen Übersetzungen die Bible de Jérusalem der École Biblique von Jerusalem (1948-52, in verkürzter Ausgabe 1956), daneben erschienen die Bible de Maredsous (Brüssel 1948-49), die Bibel von Lille (1951), die Übersetzung des Neuen Testaments von B. Botte u. a. Die französischen Protestanten erhielten ihre erste Übersetzung durch den Vetter J. Calvins, P. R. Olivetanus (1535), die in der Folgezeit immer wieder revidiert wurde, 1744 durch J. F. Ostervald. Sie erschien 1910 überarbeitet als Version Synodale. Daneben ist die Bibelübersetzung von L. Segond (1874-80) weit verbreitet.
 
In Finnland ist Mikael Agricola mit seiner Übersetzung des Neuen Testaments (1548) Schöpfer von Schriftsprache und Literatur. Das Alte Testament erschien erst 1642. Wiederholte Revisionen (Altes Testament zuletzt 1933, Neues Testament 1938) haben die Bibel dem modernen Sprachgebrauch angepasst. In Dänemark setzte sich erst die Bibel Christians III. von 1550 allgemein durch (1524 erstes gedrucktes dänisches Neue Testament), bis sie 1607 durch die Bibelübersetzung von H. P. Resen verdrängt wurde. 1931 wurde das Alte Testament, 1948 das Neue Testament neu übersetzt. In Norwegen wurden bis 1814 die dänischen Bibelausgaben benutzt, erst 1891-1904 erschien eine selbstständige Übersetzung, die 1930 revidiert wurde. In Schweden gilt die Bibel Gustavs I. von 1541 bis heute.
 
 
Von den heute (Ende 2001) vorhandenen Bibelübersetzungen in 2 287 Sprachen und Dialekte sind 392 Übersetzungen der ganzen Bibel und 1 012 Übersetzungen des Neuen Testaments; die übrigen sind Übersetzungen von einzelnen Bibelteilen, insbesondere der Evangelien. Die Hauptaufgabe neuer Übersetzungen besteht in der Anpassung der alten, meist in der Kolonialzeit entstandenen, an die moderne Sprach- und Vorstellungswelt. Diese Arbeit wird von den jungen Kirchen selbst getragen, wobei die Bibelgesellschaften in der Regel Beratung und Hilfe leisten.
 
 
Für das Judentum ist die hebräische Bibel, für das Christentum die ganze Bibel Urkunde der Offenbarung Gottes, Zeugnis des Handelns Gottes mit der von ihm erwählten Gemeinde. Über die Irrtumslosigkeit der Bibel, die in früheren Zeiten unbestreitbar feststand, oft bis in den Buchstaben hinein (Inspiration), ist erbittert gestritten worden. Dass sie als historisch gewordene Urkunde zu verstehen ist, theologisch als Zeugnis kollektiver und individueller Gotteserfahrung, ist heute überwiegend anerkannt, ebenso, dass die einzelnen Schriften theologisch unterschiedlich zu werten sind. Schon seit dem Ausgang des 2. Jahrhunderts hat die katholische Kirche die Auslegung der Bibel an die Überlieferung und beide an das kirchliche Lehramt gebunden. Damit wurde faktisch die Rückführung aller Glaubenslehren auf die Bibel preisgegeben; die Frage, ob sie formell die einzige Quelle der Offenbarung sei, ist in der katholischen Kirche bis heute offen und hat auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. In den orthodoxen Kirchen wurde die Auslegung der Bibel durch die Kirchenväter und Konzilien zur Lehrnorm; die Reformation stellte das Prinzip sola scriptura (allein in der Schrift) dagegen: Sie sei die alle kirchliche Lehre begrenzende Norm (selbst die Bekenntnisschriften sind ihr gegenüber nur begrenzte Norm).
 
In einer Fülle von Kommentaren und wissenschaftlichen Hilfsmitteln (Wörterbücher usw.) sind durch die Jahrhunderte alle Bücher der Bibel untersucht worden (Exegese, Hermeneutik), ebenso ihre Entstehungsgeschichte. Ihre Botschaft ist Grundlage für alle Darstellungen der christlichen Lehre (Dogmatik).
 
 
In Spätantike und Mittelalter wurden vorwiegend einzelne biblische Bücher in kostbaren Handschriften abgeschrieben, mit Miniaturen geschmückt (besonders Pentateuch, auch um die Bücher Josua und Richter, Heptateuch, und Ruth, Oktateuch, erweitert, die Psalter, die vier Evangelien und die Apokalypse) und in kostbare Einbände gebunden. Gesamtausgaben waren anfangs wegen fehlender Vorlagen ziemlich ungleichgewichtig illuminiert (Bibel von San Isidoro von León, 960 n. Chr.; Bibel aus Ripoll, Rom, Vatikanische Sammlungen, Bibel aus San Pere de Roda, Paris, Bibliothèque Nationale de France, beide Anfang 11. Jahrhundert). Im 12. Jahrhundert entstand im Salzburger Skriptorium u. a. die »Gumpertsbibel« (Erlangen, Universitätsbibliothek) mit rd. 150 Miniaturen. In der Folgezeit überwog reiner Initialen- und Randleistenschmuck; eine berühmte Ausnahme ist die »Wenzelbibel« vom Ende des 14. Jahrhunderts (Wien, Staatsbibliothek). Neben mit Buchmalerei ausgestatteten Prachthandschriften (Evangeliare, Evangelistare, Perikopenbücher, Psalterien, Stundenbücher) entstanden für ein breiteres Publikum gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Frankreich die Historienbibel, eine biblische Geschichte, die im deutschen Raum rd. 100 Ausgaben hatte (davon rd. 50 mit Federzeichnungen und zum Teil koloriert), und die Biblia pauperum. Große Verbreitung fanden dann auch Holzschnittfolgen zur Bibel, die Bilderbibel. Als Blockbücher mit Holzschnitten erschienen nur Bibelauszüge. Zu den Hauptwerken J. Gutenbergs gehört der Druck der 42-zeiligen Bibel (»Gutenbergbibel«, vollendet 1456); der erste wichtige Bibeldruck mit Holzschnittillustrationen erschien 1478/79 in Köln im Auftrag von H. Quentell.
 
 
Durch die Bibel wurde dem Abendland die jüdisch-orientalische Lebensanschauung vermittelt. Dies spiegelt sich in übernommenen Eigennamen, Redensarten, Sprichwörtern, Rätseln und Sagen wider. Als heiliges Buch ist die Bibel auch in abergläubischen Praktiken wie Bibelorakel (Bibelstechen, däumeln), Schatzgraben und Geisterbannen hineingezogen worden. Der Glaube an noch mächtigere biblische Geheimschriften lebt in Titeln wie dem 6. und 7. Buch Mose. Bestimmte Bibelstellen begegnen in volkstümlichen Zauber- und Segensformeln. Der Fluchpsalm 109 (108) findet vom feierlichen Anathem bis zur schwarzen Magie Anwendung. Abschriften des Psalms 90 (89) dienten von alters her als Amulett, aber auch einzelne Bibelblätter wurden als magische Abwehr verwendet.
 
 
O. Paret: Die Überlieferung der B. (41966);
 K. Aland: Studien zur Überlieferung des N. T. u. seines Textes (1967);
 
Das N. T. als Kanon, hg. v. E. Käsemann (1970);
 O. Eissfeldt: Einl. in das A. T. (41976);
 W. G. Kümmel: Einl. in das N. T. (211983, Nachdr. Berlin-Ost 1989);
 E. Würthwein: Der Text des A. T. (51988);
 O. Kaiser: Grundr. der Einl. in die kanon. u. deuterokanon. Schrr. des A. T., 3 Bde. (1992-94);
 Rudolf Meyer: Beitrr. zur Gesch. von Text u. Sprache des A. T. (1993);
 
TRE, hg. v. G. Krause u. a., Bd. 6: B. - Böhmen u. Mähren (Neuausg. 1993);
 H. Conzelmann u. A. Lindemann: Arbeitsb. zum N. T. (111995);
 R. Kassühlke: Eine Bibel - viele Übersetzungen. Ein Überblick mit Hilfen zur Beurteilung (1998).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
»Gesetz«, »Propheten«, »Schriften«: Die Bücher des Alten Testaments
 
Luthers Bibelübersetzung und ihre Wirkung
 

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Bi|bel, die; -, -n [mhd. bibel, biblie < kirchenlat. biblia (Pl.) = die heiligen Bücher (des Alten u. Neuen Testaments), zu griech. biblíon, byblíon = Papierrolle, Buch(rolle), zu: bíblos, býblos = Papyrusstaude, -bast, nach Býblos, der phönizischen Hafenstadt, aus der der zu Papierrollen verarbeitete Bast vornehmlich importiert wurde]: 1. <o. Pl.> Gesamtheit der von den christlichen Kirchen als offenbartes Wort Gottes betrachteten Schriften des Alten u. Neuen Testaments, heiliges Buch der Christen, Heilige Schrift: „Ehebrecherin! Was für ein Wort!“, staunte Stephan. „Wie aus der B.“ (Danella, Hotel 465); das steht schon in der B. (ugs.; ist eine alte Weisheit); Ü das „Kapital“ ist die B. der Marxisten (bedeutsames, [unbedingt] maßgebendes Buch, an dem sich die Marxisten orientieren); so wurde Thomas Manns Erzählung zur B. der Heimatlosen (Reich-Ranicki, Th. Mann 108); Lehrplan, der künftig für alle Fahrschulen zur B. werden soll (Wochenpresse 13, 1984, 62). 2. Exemplar der ↑Bibel (1): eine alte B.; Ü eine ganze B. (ugs.; ein dickes Buch) von Stoffmustern.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme: